Die Hofbesichtigung


Im Rahmen des Zertifizierungsprozesses vereinbaren wir mit dem Bewerberhof einen Besuch auf dem Hof. Bei der Hofbegutachtung wird die artgemäße Tierhaltung, der tiergerechte Umgang mit den Tieren und die Mensch-Tier-Beziehung geprüft. Unsere Hofgutachter freuen sich immer sehr auf diese gemeinsamen Treffen, weil sie in einem kollegialen Austausch mit den Hofbesitzern sich über das Tierwohl und auch über die Angebote zur Mensch-Tier-Beziehung austauschen können. 

 

Wie läuft eine Hofbesichtigung ab?

  • Im Rahmen des Bewerbungsprozesse besuchen Sie die Jahrestagung und lernen das Netzwerk und die Hofgutachter dort bereits kennen.
  • Wenn Sie bereits soweit sind, können Sie sich auf der Jahrestagung mit den Hofgutachtern für einen Termin zur Hofbesichtigung verabreden. Voraussetzung dafür ist, dass alle notwendigen Unterlagen bereits eingereicht wurden.

 

Die folgenden Bilder geben Ihnen einen Einblick, wie eine Hofbesichtigung ablaufen könnte:

 

Die Fotos stammen von dem Begegnungshof Holtensen (NI) von Dr. Jessica Fischer (rechts). Das Hofgutachten wurde von der Hofgutachterin Anja Kaindl (links) durchgeführt.

 

Am Anfang stehen z.B. auch Fragen, wie z.B.

  • Ist der Hof bereits gut ausgeschildert?
  • Wem gehört der Hof und wer leitet ihn?
  • Sind alle Mitarbeiter vom Hof bei der Besichtigung dabei?

In der Regel gehen die Hofgutachter ca. 1- 1,5 Stunden über den Hof und nehmen sich dann gemeinsam mit der Hofleitung Zeit, das Protokoll auszufüllen. Je nach Größe des Hofes und der Anzahl der Tierarten und -individuen dauert die Hofbesichtigung 2-3 Std.


Es ist gut, wenn man einen ersten Eindruck von der Struktur des Hofes bekommt und der Hofleiter sich bereits vorher überlegt hat, welcher Weg über den Hof und die Wiesen am sinnvollsten ist.


In der zufälligen Begegnung mit den Tieren zeigt sich gut, ob die Tiere neugierig und interessiert auf Fremde sind und wie der Hofleiter die Beziehung zu seinen Tieren lebt.

 


  • Welche Räume gibt es für die Besucher bzw. für die Tiere?
  • Gibt es einen Bereich, wo die Besucher begrüßt werden?
  • Gibt es Rückzugsräume für die Besucher, wo sie die Tiere auch auf Distanz beobachten können?

  • Gibt es Bereiche, in denen der Besucher vielleicht auch Wildtiere, wie Frösche und Insekten beobachten kann?
  • Wie werden Mensch-Natur-Begegnungen methodischen aufgebaut?

Die Hofgutachter schauen sich auch die Waschgelegenheiten und Toiletten an.


  • Gibt es einen Gruppenraum für Regentage und zum Arbeiten mit Materialien rund um das Tier?
  • Gibt es einen Seminarraum?

  • Wie sind die Stallgebäude strukturiert?
  • Sind gefährliche Gegenstände, wie z.B. eine Leiter, gut gesichert?
  • Sehen die Halfter, Führstricke und andere Utensilien sauber aus und sind sie den einzelnen Tierpersönlichkeiten zugeordnet?
  • Sind vorhandene Pläne aussagekräftig und hilfreich in der täglichen Praxis?
  • Gibt es deutliche Hinweisschilder zu den Feuerlöschern und zum Verbandskasten sowie für den Notfall den Telefonnummern für die Tierärzte?

  • Wie sind die Tiere untergebracht?
  • Entspricht das der artgemäßen Haltung nach dem TVT-Merkblatt 131?
  • Welchen gesundheitlichen Eindruck machen die Tiere?
  • Ist das soziale Verhalten der Tiere in der Gruppe angemessen?
  • Wie ist die Qualität des Futters und des Wassers?
  • Gibt es tiergerechte Unterstände und Beschäftigungsmaterialien?
  • Wie sieht die Qualität und Quantität des Einstreus aus?
  • Kommen die Tiere neugierig auf den Besucher zu?
  • Wie ist die Beziehung zwischen den Tieren und der Hofleitung?

Der Hofgutachter nimmt auch die Wege wahr, die Besuchen auf dem Hof gehen.

  • Sind die Wege geeignet für die Zielgruppe, mit der der Hof primär arbeitet (z.B. behindertengerecht, rollstuhlgerecht)?
  • Gibt es unfallgefährdende Passagen (z.B. Stolperobjekte), auf die besonders hingewiesen werden muß?
  • Gibt es an den Ställen und Zäunen Hinweise, welche Tierpersönlichkeiten hier wohnen?
  • Gibt es Infotafeln, welche Bedürfnisse die Tiere haben?

Die Hofbesichtigung dienst auch dazu, dass der Hofgutachter evtl. Tipps gibt, wie man die Bereiche der Tiere noch tiergerechter gestalten kann. 

Es ist förderlich, wenn der Hofleiter und sein Team sich vorher zusammensetzen und überlegen, welche konkreten Fragen sie auch an den Hofgutachter haben: z.B. zur Tierhaltung, zur Gruppenzusammensetzung, zur symbiotischen Haltung der Tier, zum tiergestützten Einsatz.

 

Der Hofgutachter gibt gerne seine Erfahrungen weiter. Bei sehr umfangreichen Beratungsbedarf empfiehlt der Hofgutachter einen Fachberater.

 


Der Hofgutachter schaut sich die Bodenverhältnisse auf den Weiden und Paddocks an.

 

  • Wo fließt das Wasser und wie gut fließt es ab?
  • Sind die Wiesen frei von giftigen Pflanzen?

Viel Zeit nimmt sich der Hofgutachter auch für die Besichtigung der Ställe.

  • In welchen sozialen Gruppen stehen die Tiere im Stall?
  • Wie ist der Stall strukturiert?
  • Wo sind die Versorgungsbereiche?
  • Wie wird das Futter gelagert?
  • Welche Lecksteine werden verwendet?
  • Wie ist die Wasserversorgung?
  • Gibt es ausreichend Licht und Luft?
  • Wie ist die Mistlogistik?

Gerne nehmen sich die Hofgutachter auch Zeit für die einzelnen Tiere. 


Am Ende der Hofbesichtigung steht ein gemeinsames Gespräch - manchmal auch bei Kaffee & Kuchen.

 

Der Hofgutachter füllt im Beisein des Hofleiters das Protokoll aus und kann somit vor Ort noch einmal nachfragen, wenn ihm noch etwas unklar ist.

 

Der Hofgutachter würde klar aufzeigen, falls noch etwas zu ändern wäre, bevor der Hof zertifiziert werden kann. 

 

Das Protokoll wird durch einen 2. Hofgutachter geprüft. Danach geht das Protokoll an die Leitung des Netzwerks und von dort erfährt der Hof dann alle weiteren Schritte.

 

Ein gemeinsames Foto zum Abschluss der Hofbesichtigung ist eine schöne Erinnerung für alle.